Ehe

Die Geschichte der Ehe...

  1. peter
    Eine Definition

    Der Begriff Hochzeit wird zurückgeführt auf das mittelhochdeutsche hochgezit, die Hohe Zeit. Das Wort stand jedoch nicht nur im Bezug zur Heirat, sondern zu den hohen Festtagen, wie Ostern, Pfingsten, Allerheiligen und Weihnachten. Im 17. Jahrhundert wurde der Begriff dann mehr und mehr, und später ausschließlich, mit dem Fest der Trauung verbunden. Das Wort Ehe wiederum findet seine Wurzeln im altdeutschen ewa, was soviel wie Ewigkeit und Gesetz bedeutet. Ewa kann aber auch Recht bedeuten und von diesem Begriff machten vor vielen Jahren vor allem die Männer gebrauch, während die Frauen sich mit den Pflichten „beschäftigen“ mussten…


    Der Weg zur Liebesehe

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    Hochzeitsanzeige aus dem Jahr 1827


    Die Ehe hat sich ständig weiterentwickelt, von der Raubehe über die Kaufehe, der Muntehe zu weiteren Eheformen. Die Liebesheirat ist, wenn man zurückdenkt, etwas ganz Modernes. Tatsächlich kam die Liebesheirat erst Mitte des 19. Jahrhunderts zur Geltung. Bis dahin war es ein langer Weg, mit wechselnden Eheformen. Polygamie war nichts Außergewöhnliches und der Bräutigam konnte durchaus mehrere Frauen heiraten. Erst ab dem 15. Jahrhundert setzte sich die monogame Ehe nach und nach hierzulande durch.
    Die Ehe war oft nicht mehr, als Mittel zum Zweck. Es ging um die finanzielle Sicherung und um die Nachkommenschaft. Die Vergrößerung des Besitztums war die Motivation. Darum entschied die finanzielle Situation des Partners, das Hab und Gut einer Person darüber, ob überhaupt eine Ehe zustande kommen sollte. Im Mittelalter war es vielen Menschen schlicht und einfach nicht möglich zu heiraten. Aufgrund der ärmlichen Verhältnisse, in denen viele Menschen lebten, war eine Versorgung auf lange Sicht so gut wie ausgeschlossen. Auch die Gesundheit des Partners musste mit einbezogen werden. Das durchschnittliche Lebensalter lag schließlich bei etwa 30 Jahren.



    Eheformen

    Die gebräuchlichste Eheform des Mittelalters war wohl die so genannte Muntehe. Der Begriff Munt bedeutet soviel wie Vormundschaft. Es wurde mit der Sippe der Braut ein Brautpreis vereinbart und wenn dieser Preis, auch Mundschatz genannt, geleistet wurde, ging die Vormundschaft vom Vater der Braut auf den Ehemann über. Die Heirat war also oftmals nicht viel mehr als das Resultat einer geschäftlichen Vereinbarung. Die Braut selbst hatte dabei kaum Mitbestimmungsrecht. Mit den Jahren veränderte sich die Form der Muntehe. Der Brautpreis wurde nicht mehr an die Sippe der Braut bezahlt, sondern an die Braut selbst. Dieses Geld sollte der finanziellen Sicherheit der Braut dienen, wenn dem Bräutigam etwas zustoßen sollte und er sie dadurch nicht mehr versorgen konnte.
    Bei der Kebsehe war die Frau nicht mehr, als die Sklavin des Ehegatten der sie, wann immer er wollte, zum Geschlechtsverkehr zwingen konnte. Er hatte die absolute Verfügungsgewalt über die Frau. Der Begriff Kebse bedeutet soviel wie Nebenfrau. Daher stammt auch die Redensart mit Kind und Kegel: Kegel wurden im Mittelalter uneheliche Kinder genannt, die aus einer Kebsehe stammten. Die Kebsehe war bis zum 9. Jahrhundert sehr weit verbreitet, bis die Kirche einschritt und sich gegen diese Form der „Ehe“ einsetzte.



    Ehe und Kirche

    Grundsätzlich kam der Kirche ab dem 10. Jahrhundert eine immer größer werdende Bedeutung zu und der Vormund der Braut wurde später durch die Trauzeugen abgelöst. Im Jahr 1225 wurde beschlossen, dass eine Trauung nur noch durch einen Priester durchgeführt werden könne und auch nur so Gültigkeit hätte. Die Kirchliche Trauung fand zudem nicht immer vor dem Traualtar innerhalb der Kirche statt. Gegen Ende des 11. Jahrhunderts war es in Teilen Frankreichs Brauch, dass die Ehepartner vor der Kirchentür getraut wurden. Diese Tradition breitete sich auch in Teilen Europas, wie Frankreich, England und auch Deutschland aus. Auch der Ringtausch wurde noch vor der dem Eintreten in den Kirchenraum vollzogen. Erst nachdem die Eheleute den Segen des trauenden Pfarrers empfangen hatten, wurden sie in die Kirche selbst gebeten, wo anschließend der Gottesdienst begann.



    Ein neuer Weg...

    1876 wurde das „Reichsgesetz über die Beurkundung des Personenstandes und der Eheschließung“ erlassen. Eine Eheschließung war nur noch im Beisein eines Standesbeamten möglich und rechtsgültig. Auch wenn die Liebesheirat immer mehr an Bedeutung gewann, die patriarchalische Rollenverteilung bestand noch sehr lange: Die Frau hatte sich um den Haushalt und um die Kinder zu kümmern, kam sie dieser Aufgabe nicht nach, war das ein akzeptierter Grund für die Scheidung.
    Nichteheliche Gemeinschaften galten bis 1973 in Deutschland als sittenwidrig. Erst die Reform des Strafrechts im gleichen Jahr sorgte für Veränderung. Wenn man über nichteheliche Gemeinschaften oder die so genannte Wilde Ehe spricht, kommt man meist automatisch auf die 68er-Generation zu sprechen. Die Wilde Ehe war jedoch keine Erfindung dieser Generation, wie einige behaupten. Was jedoch stimmt ist, dass diese Form des Zusammenlebens erst durch die 68er-Revolution richtig publik wurde. Die nichteheliche Gemeinschaft existierte jedoch längst und zwar dort, wo es die finanziellen Mittel nicht erlaubten zu heiraten. Die 68er-Revolte brachte den Frauen unter anderem dieses: Ein neues Selbstvertrauen, Unabhängigkeit vom Mann und Gleichberechtigung.