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Ich weine...

Melli

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22 April 2006
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#1
Ich weine um einen Menschen, der für mich etwas ganz Besonderes war
und der, spätestens nach der Verleihung der Goldenen Kamera,
auch Einfluss auf mein Denken nahm: Er hat mir die Angst vom
Tod genommen und ich bewundere ihn noch heute für seine Rede, die er
bei der Verleihung gehalten hat. Soviel Kraft, soviel Optimismus, soviel
Humor...selbst im Angesicht des Todes verlor er nicht seinen Humor und
seine Menschlichkeit und das ist für mich echte Größe!

Ich trauere um diesen Menschen...

Hier noch einmal die Rede von Rudi Carrell bei der Verleihung der
Goldenen Kamera:


"Ich möchte mich bedanken, in alphabetischer Reihenfolge...
Die Tatsache, daß ich hier heute Abend diesen Ehrenpreis in Empfang
nehmen kann, verdanke ich in allererster Linie meiner Krankenversicherung,
dem Klinikum Bremen-Ost und der deutschen
Pharma-Industrie...

Und es geht mir… Und es geht mir super! Ich könnte morgen wieder…,
Herr Döpfner, stimmt es, daß ProSieben und Sat1 wieder zu haben sind?


Ich bin schön braun, näh? Ja, ich war vier Wochen, bin heute
zurückgekommen, vier Wochen auf einer unbewohnten Insel.
Vier Wochen ohne Fernsehen, Internet, ohne Telefon.
Und vier Wochen ohne deutsche Zeitung. Und es war
einfach … – entsetzlich!

Und da kommst du zurück aus dem Urlaub, und da kriegst du die Goldene
Kamera. Für mein Lebenswerk. Ich, ein Holländer. Sie sind nett zu uns,
muß ich sagen. Ja. Wissen Sie, daß von allen deutschen Städten Berlin
die Holländer-freundlichste Stadt Deutschlands ist?

Kann ich bitte mal n Stuhl haben? (Stuhl wird polternd auf die Bühne
geworfen)

Für mich ist und bleibt Fernsehen immer etwas Wunderbares! Als ich 1960
anfing, meine erste holländische Show, da bin ich abends als die
aufgezeichnete Show im Fernsehen lief, in diesem Viertel, wo ich wohnte,
rausgegangen von Fenster zu Fenster, habe die Leute beobachtet,
wie sie meine Show gesehen haben. Habe ab und zu ans Fenster geklopft,
gerufen: 'Hallo, wie bin ich?' und so.

Das war damals, 1960. Heute – natürlich macht niemand mehr das.
Oder glauben Sie, daß Günther Jauch abends durch Potsdam schleicht
und…? Glauben Sie nicht…

Ich weiß nicht, ob dies mein letzter Auftritt im Fernsehen ist. Denn in
Amerika und England bekommen alte Showmaster immer Rollen in
Fernsehfilmen oder Spielfilmen. Und vor drei Jahren hab ich mich bei
Bernd Eichinger beworben für die Hauptrolle in „Der Untergang“.
Für die Hauptrolle. Aber Bernd Eichinger glaubte, daß mein Akzent
würde die Zuschauer irritieren.

Vierzig Jahre, vierzig Jahre Deutschland, vierzig Jahre deutsches
Fernsehen. Und ich hab wahnsinnig viel erlebt!

Und ich war nicht im Publikum heute Abend. Ich war im 18. Stock, in dem
früheren Büro von Axel Springer. Und als ich vor 25 Jahren ihn besuchen
durfte, da kuckte ich hinter seinem Rücken nach unten auf die Mauer.
Und da hab ich gesagt: „Herr Springer, wie können Sie ein Büro bauen
mit so einer Aussicht?“ Hat er gesagt: „Ich möchte dabei sein, wenn das
Unding verschwindet.“ Und daran muß ich heute Abend wieder denken.
Und da bin ich durch das Riesen-Gemälde von ihm gegangen. Da war
niemand anders in dem Raum und ich hab einfach zu Axel Springer
gesprochen. Ich hab gesagt: „Ich hab ‚ne Überraschung: Die Mauer ist
weg. Und ich hab noch ne Überraschung. Wir haben ‚nen Bundeskanzler
aus dem Osten! Und es ist eine Frau!“ Und da fiel das Gemälde runter.
Oben, im 18. Stock.

Der Fall der Mauer war eine der schönsten Sachen, die in meinem
Leben, grade hier in Deutschland, passiert sind. Und ich hab so irre viel
erlebt in diesem Land – es war eine Ehre, in diesem Land und vor diesem
Publikum Fernsehen machen zu dürfen.


Und heute Abend noch mal diese Ehrenkamera zu bekommen
ist noch mal ein Höhepunkt.
Für alles herzlichen Dank. Alles Gute!“



RUHE IN FRIEDEN RUDI! :cry:
 

Siana

Ganz gerne hier
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#2
Hallo Melli,
finde es auch sehr schade. Man kann über den Humor streiten,
war sicherlich nicht jedermanns Sache, aber aus menschlicher Sicht habe
auch ich allergrößten Respekt vor ihm gehabt. Ich habe die Rede
damals auch gesehen und war anfangs so erschrocken über
die nicht mehr vorhandene Stimme.

Im nächsten Moment war ich jedoch wieder begeistert und zwar von der Art und Weise wie Rudi Carrell mit dem Tod umging, wie er ihn auf die
Schippe nahm. Sehr berührend...

Wie las ich letztens in einer Zeitung:
Jetzt gibt es im Himmel viel zu lachen...

Sia
 

peter

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#3
Zitat von Siana:
Wie las ich letztens in einer Zeitung:
Jetzt gibt es im Himmel viel zu lachen...
Sia
Dem habe ich nichts hinzuzufügen...

Ciao Rudi...