Kennt ihr schon die Geschichte vom Brautmonster?

Dieses Thema im Forum 'Kaffee-Klatsch' wurde von Babs gestartet, 23 Oktober 2010.

  1. Babs

    Babs
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    Folgendes hat mir eine Freundin in mein WkW-Gästebuch geschrieben:
    Die Hochzeit ist der schönste Tag im Leben
    eines Mannes. Jetzt hat er es fast geschafft.
    Seine Braut lächelt das erste Mal seit etwa
    einem Jahr, und er meint, hinter ihrem zu
    starken Make-up die Person erahnen zu können,
    die die Frau seines Lebens war, bevor sie
    sich verwandelte.

    Der Schnitt war ein ziemlicher Schock für ihn
    gewesen: Eben war sie noch seine weinende
    Kleine, die überglücklich immer wieder ihren
    Verlobungsring betrachtete, und plötzlich war
    da dieses Monster, das Wutanfälle bekam, weil
    der Farbton der Seidenschleifen für die
    Gästegeschenke nicht exakt stimmte. Warum
    hatte dem Bräutigam niemand gesagt, dass so
    etwas passieren würde?

    Weil er es nicht geglaubt hätte. Jeder Mann
    ist davon überzeugt, dass seine Freundin
    etwas ganz Besonderes ist; eine Frau, die
    eher lässig an die Vorbreitungen zu einem
    Fest, das im Schnitt 20 000 Euro kostet,
    herangeht. Ein fataler Irrtum. Sich zu
    verloben bedeutet nicht, seine Traumfrau
    heiraten zu dürfen, es bedeutet, mit einer
    Fremden zusammen zu sein, die nur dafür lebt,
    das Fest der Feste perfekt zu organisieren.

    So etwas beginnt harmlos. Die Frau blättert
    in Brautmagazinen, die sie sich am Tag nach
    der Verlobung gekauft hat, und zeigt auf
    verschiedene Details: Brautsträuße,
    Tischdekorationen, romantische Schlösser und
    hellblaue Smokings für den Bräutigam. Der
    Mann, noch im Taumel des Glücksgefühls,
    endlich gefragt zu haben, nickt und sagt
    "schön". Er kann ja nicht ahnen,
    dass er damit bereits eine verbindliche
    Zusage gemacht hat. Aber ein Brautmonster hat
    ein Gedächtnis wie eine ganze
    Elefantenherde.

    Danach ist Ruhe, und zwar im Wortsinn. Drei
    bis vier Monate lang ist die Frau den ganzen
    Samstag unterwegs und sonntags im Internet
    beschäftigt. Der Bräutigam triumphiert, die
    Braut sondiert. Und hat etwa acht Monate vor
    der Hochzeit eine exakte Vorstellung von
    "ihrem" Fest.

    Zeit, den Druck zu erhöhen. In einem langen
    Gespräch stellt die Planerin ihrem Verlobten
    die wichtigsten Alternativen vor: Roséfarbene
    oder lindgrüne Deko? Weiße oder cremefarbene
    Streukörbchen für die Blumenkinder? Abend-
    oder festliche Kleidung als Kleiderordnung?
    Der Mann - noch nicht vertraut mit so
    entscheidenden Fragestellungen - scheut, und
    die Frau rastet das erste Mal aus. Wenn der
    Kerl so weiter macht, können sie sich das
    Ganze gleich abschminken. Nur noch acht
    Monate! Wie bitte soll sie das denn alles
    schaffen?

    Also geht er mit. Befühlt Papp- und
    Büttenpapier für die Einladungen. Vergleicht
    die altenglische Schrift mit moderneren
    Varianten. Fachsimpelt über den Unterschied
    zwischen den Farbnuancen elfenbein und creme
    und hat es mittlerweile schon ganz gut raus,
    genau das zu wählen, was auch seine Liebste
    will. Er sieht es an dem Leuchten in ihren
    Augen.

    Männer in dieser Situation haben strapazierte
    Nerven. Sie sitzen in einer Zwickmühle, denn
    es macht ihnen keinen Spaß, jede freie Minute
    über die Hochzeit sprechen zu müssen. Noch
    weniger Spaß macht es allerdings, es nicht zu
    tun "ES SIND NUR NOCH SECHS
    MONATE!!" brüllt dann die Frau. Und da
    sprechen die nackten Zahlen leider für sie.

    Also klammern sich die Herren an gute
    Nachrichten. Laut Umfragen sind 71,1 Prozent
    der Deutschen der Meinung, dass eine Ehe ewig
    halten sollte. Der Aufwand könnte sich also
    lohnen. In Italien glauben nur 47,5 Prozent
    an "bis dass der Tod Euch
    scheidet". Nicht auszumalen, wie
    schlampig italienische Hochzeiten geplant
    sein müssen - mit so einer Einstellung!

    Noch fünf Monate: Sie möchte ein KPM-Service
    mit Platinrand auf ihrem Hochzeitstisch, er
    nickt gottergeben. Und das ist keine gute
    Idee. Die Frau ist unzufrieden. Sie hat das
    Gefühl, alles allein entscheiden zu müssen.
    Dabei soll es doch ihr gemeinsames Fest
    werden (was ihm neu ist). Sie zwingt ihn,
    einen Tag Urlaub zu nehmen, um gemeinsam
    Geschenke auszusuchen. Nach einer
    Dreiviertelstunde klingelt sie ihn über das
    Handy an. Er steht bei den CDs. Als sie
    einfach auflegt weiß er: schon wieder etwas
    falsch gemacht.

    Das ist der Zeitpunkt, an dem die Braut zu
    ihrer Freundin sagt: "Ich erkenne mich
    selbst nicht mehr wieder." Sie weiß,
    dass sie unausstehlich ist. Sie weiß aber
    auch, dass das das kleinere Übel ist. Was ist
    schon ein Jahr detailverliebte Planung gegen
    eine Braut, die mit ihrer eigenen Hochzeit
    nicht zufrieden ist? Ein Drittel aller Ehen
    in Deutschland werden geschieden, was nicht
    weiter erstaunlich ist, wenn man bedenkt, wie
    sich die Kerle schon bei der Planung des
    Festes anstellen.

    Drei Monate vor der Hochzeit hört die Frau
    gedanklich auf zu arbeiten. Sicher, sie geht
    zwar noch jeden Tag ins Büro, aber eigentlich
    nur, um ihre Checklisten abzugleichen und mit
    den Kolleginnen über ihr Kleid/ihre
    Frisur/den Trauspruch/das Menü zu sprechen.
    Eine leichte Unruhe macht sich in ihr breit.
    Zwei der Einladungen, die ihr Verlobter
    eigenverantwortlich verschickt hat, sind
    zurückgekommen, weil er die falsche Adresse
    draufgeschrieben hatte. Kann sie ihm noch
    vertrauen?

    Kann sie nicht. Deswegen ist ihre Mutter
    mittlerweile ihre engste Vertraute geworden,
    die auch findet, dass sie keine Rücksicht
    darauf nehmen muss, dass seine Freunde gern
    ein ordentliches Stück Fleisch essen würden
    und Punkrock mögen. Wenn er nach Hause kommt,
    während seine Verlobte die Details mit ihrer
    Mama bespricht, wechselt sie wortlos den
    Raum.

    Ist seine Kleine gereizt, weil sie glaubt,
    noch mindestens fünf Kilo abnehmen zu müssen
    oder weil ihr der blassbabyblaue Anzug, den
    sie vor einem Jahr für ihn ausgesucht hat,
    nicht mehr gefällt? Er weiß es nicht. Er weiß
    sowieso nicht mehr viel über seine Hochzeit.

    Frauen sind gut organisiert. Am Tag vor der
    Hochzeit müssen sie nichts mehr tun, außer
    ihre (nicht seine!) Verwandten durch die
    Stadt zu scheuchen, damit sie letzte
    Besorgungen für sie machen. Der Bräutigam hat
    einen Zettel, auf dem genau steht, wann er wo
    zu sein hat. Und in der Nacht, während sie
    schläft, wird wie durch ein Wunder aus dem
    Brautmonster eine Braut, die sich nichts mehr
    wünscht, als die Liebe ihres Lebens endlich
    heiraten können.

    Gerade mal 44 Prozent der Deutschen haben
    ihre Hochzeit als "den schönsten Tag
    ihres Lebens" erlebt. 30 Prozent
    empfanden ihn dagegen als eine "totale
    Katastrophe". Das kommt mit Sicherheit
    davon, dass sich einige Beteiligte nicht
    sekundengenau an die Vorgaben der Braut
    gehalten haben.

    Die hat allerdings keine Zeit mehr, sich
    darüber zu ärgern. Schließlich steht der
    erste Hochzeitstag schon so gut wie vor der
    Tür.

    Sie hat ein Gedächtnis wie eine
    Elefantenherde
     
  2. princesse

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    Mist... erwischt...
    Das zeige ich ihm lieber nicht.
     
  3. sn4ever

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    Den letzten Passus finde ich sehr interessant.............. Ich glaube, ohne es wirklich wahr haben zu wollen, da erkenne ich mich am ehesten wieder...
    Danke Babs, das war wirklich ne gute Lektüre...
     
  4. Fuchsi

    Fuchsi
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    Sehr süß! Schatzi und ich haben viel gelacht! :00008353:
     
  5. Streifenhörnchen

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    Hihi, das trifft den Nagel schon in vielen Dingen auf den Kopf...

    Aber als Ex-Braut kann ich Euch beruhigen... okay, bei uns lief's auch wirklich perfekt und ich weiß noch nicht mal eine Kleinigkeit, die ich im Nachhinein lieber anders gemacht hätte... aber selbst wenn nicht, ist einem das an dem Tag sowas von egal, und ich denke nicht (und habe hier im Forum auch von keinem sowas gelesen), dass es wirklich vielen anders geht.

    Die 30% halte ich also für ein Gerücht ;)
     
  6. manumaus

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    tolle geschichte:D in manchen sachen sieht man sihc ja schon wenn auch in abgeflachter version
     
  7. tl-foto

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    Na vielleicht sollte man manche Dinge doch besser den Männern planen lassen:smilie_gr_155:??
    Das ist oft stressärmer und klappt auch - zumindest fast immer:winky:
     
  8. princesse

    princesse
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    das ist ja mal eine steile These...:00008356:
    Ich geb mir schon Mühe, ihm auch ein paar dinge zu überlassen, z.B. darf er ganz selbstständig entscheiden was er anziehen will und um das Brautauto darf er sich auch kümmern. Und alle wichtigen Entscheidungen treffen wir natürlich auch gemeinsam.
     
  9. sn4ever

    sn4ever
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    Das müssen die Männer aber auch erstmal wollen :0813:
    Wenn das soweit ist, können wir ja nochmal drüber reden...
    :winky:
     
  10. ArdnaS

    ArdnaS
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    Das kann ich mir bei meinem richtig vorstellen
    "Ach ja, wir wollten ja morgen heiraten, wie machen wir das jetzt?":1643:
     
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