Trauerfall in der Familie

Dieses Thema im Forum 'Kaffee-Klatsch' wurde von Scratty gestartet, 25 Oktober 2009.

  1. Scratty

    Scratty
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    Hallo Ihr Lieben,

    vor drei Jahren ist mein kleiner Cousin mit 18 Jahren mit dem Auto tödlich verunglückt. Seine Mutter ist meine Patentante. Dass das alles ganz furchtbar ist, ist ja klar und ich kann es nach wie vor immer noch nicht so ganz begreifen, dass er nicht mehr da ist. Da ich selbst keine Geschwister habe, war er immer so ein bisschen wie ein kleiner Bruder für mich. Ich hab meine Tante sehr lieb und ich finde es wirklich toll, wie sie und mein Onkel seitdem trotzdem weitermachen. Sie hatten nur den einen Sohn und es ist wirklich sehr schwer für sie.

    Bei Familienfeiern sind sie manchmal nicht dabei, weil sie es nur schwer ertragen können, wenn wir jungen Leute alle zusammen sitzen (habe noch drei Cousins und eine Cousine) und ihr Sohn eben fehlt.

    Seit ich ihr gesagt habe, dass wir heiraten werden, ist meine Tante total komisch. Sie blendet das Thema komplett aus. Wenn sie dabei ist, dann trauen wir uns noch nicht mal davon zu sprechen. Ich glaube, sie hat den totalen Horror davor.

    Ich weiss aber grad gar nicht, wie ich damit umgehen soll. Ich verstehe ja, dass sie trauert, aber deswegen hört unser Leben doch nicht auf. Ich bin doch auch mit ihr traurig, warum kann sie sich nicht ein bisschen mit mir freuen? Gestern abend haben wir in großer Runde zusammengesessen und natürlich kam dann auch das Thema HOchzeit auf, vor allem, weil einer meiner cousins auch nächstes Jahr heiraten wird. Da sagt mein Schatzi "nur noch 6 Monate und 21 Tage...." und meine Tante sagt ganz leise: "Wer weiss wo wir dann sind..."

    Weihnachten flüchten sie immer in die Karibik, was ich ja auch verstehen kann...

    Bin sehr traurig darüber, ich kann ja verstehen, wenn sie vor der großen Familienfeier Horror hat, aber selbst die Vorbereitungszeit kann sie nicht ein bisschen mit mir teilen.

    Danke fürs Lesen,
    liebe Grüße,
    Scratty
     
  2. Dani1986

    Dani1986
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    das ist natürlich echt eine sehr traurige geschichte! aber sie liegt nun schon 3 jahre zurück, auch wenn ihre trauer verständlich ist, sollte sie lernen wieder nach vorne zu schauen, sie macht sich ja nur selbst fertig. würde ja jetz auch nicht von ihr erwarten, dass se dir freudestrahlend um den hals fällt, aber zumindest sollt se dir die zeit net vermiesen und auch zur hochzeit kommen. vor allem auch dir zuliebe. kann mir nicht vorstellen, dass ihr sohn dass so gewollt hätte, dass sie sich so zurück zieht von ihrer familie. vielleicht kommt sie ja wirklich zu eurer hochzeit und braucht nur noch ein wenig zeit für sich...
     
  3. sandy the sheep

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    Weißt du, es ist einfach nicht natur gegeben das Eltern ihre Kinder überleben. Das ist furchtbar und grade für eine Mutter denke ich schwer zu überwinden.
    Es dauert ewig bis die wunden heilen, aber vergessen werden sie es nie.

    Du mußt dir vorstellen, wenn ihr da steht als Brautpaar, sie werden immer wissen "Mein Sohn hatte nicht die Chance zu heiraten". Solche Gedanken gehen ihr durch den Kopf. Und immer wenn ein Vertrauter stirbt wird einem selbst erst bewußt wie vergänglich das Leben ist und neben der Trauer kommt eben auch Wut auf das Leben und Angst.

    Das alles kann man denke ich nicht verstehen wenn man es nicht selber erlebt hat, das eigene kind zu verlieren, das man 9 monate unterm Herzen getragen hat, großgezogen hat und dann es einem dermaßen aus dem leben gerissen wird. Ganz ohne Vorwarnung, einfach so. Der Mensch ist so intelligent, aber solche sachen gehen einem einfach nicht in den kopf.

    Wir hätten auch dieses Jahr heiraten können, aber da meine Oma dieses Jahr Januar gestorben ist, die auch wie Mutter, Vater, Oma, opa, eben alles auf einmal für mich war, haben wir beschlossen es um ein Jahr zu verschieben, ich hätte es dieses jahr nicht gekonnt.

    Ich kann dir nur den Rat geben, versuche nicht sie zu verstehen, denn helfen kannst du den Eltern sicher nicht. Jeder Mensch brauch bei Trauer seine eigene Zeit. Vielleicht kannst du ihnen aber einfach deinen Standpunkt sagen, sowas wie

    "ich weiß der verlußt ist für keinen nachzuvollziehen, aber das Leben geht weiter, auch für euch irgendwann und wir möchten uns einfach mit euch auf unsere Hochzeit freuen, denn wir sind auch eure Familie und brauchen euch."

    Ist schwer für mich, da ich sie nicht kenne, aber sowas in der Art vielleicht? Vielleicht kannst du ihnen auch die Wahl lassen zu kommen oder nicht, so ganz offiziell, verstehst du was ich meine?

    Ich wünsche dir auf jeden Fall alles Gute und spreche dir hiermit mein beileid aus und hoffe du bekommst das in den griff mit den beiden.
     
  4. Ramona

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    Ich denke wie Sandy, dass vor allem Feiern wie Hochzeiten sehr schwer für sie sind. Sie wird niemals ihr Kind am Altar sehen, und grade da wird es sehr schwer für sie sein.
    Ich kann schon nachvollziehen, dass sie das vielleicht vermeiden möchte. Ich denke nicht, dass sie euch absichtlich weh tun möchte. Aber ich glaube auch nicht, dass eine Mutter das ganz verwinden kann.
    Die Mutter meines Ex-Freundes hat sich vor 2 Jahren selbst das Leben genommen. Seit ihr ältester mit 8 Jahren vom Auto überfahren wurde und tödlich verunglückte, hatte sie immer mit Depressionen zu kämpfen. Mal mehr mal weniger. Aber sie hat es nie ganz verwunden. Und dann hat sie sich schließlich umgebracht. Und der Tod ihres Kindes lag fast 25 Jahre zurück. Aber selbst nach dieser langen Zeit war es dann irgendwann zuviel für sie.

    Deswegen würde ich deiner Patentante sagen, dass du sehr gerne mit ihr feiern würdest, dass du es aber auch verstehst, wenn sie nicht kommen möchte. Damit signalisierst du, dass du sie verstehst und vielleicht kann sie dadurch auch dich verstehen und kommt zu eurer Hochzeit und freut sich für euch.
     
  5. sandy the sheep

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    Schön gesagt Ramona. Genau so wollte ich das auch sagen. Ist echt traurig das ganze.
     
  6. Scratty

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    Ihr Lieben,

    ich danke Euch ganz herzlich für Euren Zuspruch. Ich hab eben mit meiner Mum auch nochmal drüber gesprochen und sie meint, dass es meiner Tante im Moment ganz besonders schlecht geht. Sie umgibt sich überwiegend nur mit Menschen, denen es auch schlecht geht, z.B. ist eine Freundin von ihr schwer an Krebs erkrankt und das fördert natürlich auch nicht gerade den Optimismus.

    Es ist mir bewußt, dass es das Schlimmste ist, was Eltern passieren kann und das kann man mit Worten auch gar nicht erklären. Das Schlimme ist ja auch, dass das Thema Sterben und Tod in unserer Gesellschaft eher bewusst ausgeklammert wird. Umso mehr ist man schockiert, wenn man damit konfrontiert wird und die meisten wissen gar nicht, wie sie damit umgehen sollen.

    Ich werde sie vielleicht demnächst einmal fragen, ob sie mit mir einen großen Spaziergang machen möchte, und vielleicht bring ich ja dann den Mut auf, sie mal drauf anzusprechen.

    Also, vielen Dank für Eure lieben Beiträge,
    das tut einfach gut, sich das mal von der Seele zu schreiben... und jetzt geh ich mal gucken, was Ihr so an lustigen Beiträgen geschrieben habt... :em3200:

    Liebe Grüße,
    Scratty
     
  7. sandy the sheep

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    Wir sind immer für dich da Scratty das weißt du. Ich würde sie vielleicht wirklich dann mal ansprechen bei einem schönen Spaziergang.

    Geb ihr einfach das gefühl das du es verstehst wenn sie nicht kommt du dich aber auf alle fälle riesig freust wenn doch. So ganz unverbindlich. Denke sie wird dann schon die richtige entscheidung für sich treffen.
     
  8. Sarinee

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    Hallöchen,
    oh man, wie traurig. Sowas ist echt schwer nachzuvollziehen, wenn es einen nicht selbst betrifft.
    Jeder Mensch trauert halt anders. Der eine verdrängt, der andere verfällt in Depressionen, der andere wiederrum kapselt sich von allem ab.
    Ich denke auch, dass ich an deiner Stelle mal mit deiner Tante sprechen würde, denn dir liegt ja immerhin auch viel an ihr. Ich würde ihr sagen, dass du deinen Cousin auch jede Sekunde vermisst, dass sie mit ihrer Trauer nicht alleine ist. Generell würde ich ihr das Gefühl vermitteln, dass sie nicht alleine ist. Ihr sagen, dass sie im Falle vom Tod deiner Eltern für dich da gewesen wäre (als Patentante) und du jetzt genauso für sie da sein möchtest. Und du dich sehr freuen würdest bzw. es dir sehr viel bedeuten würde, wenn sie zu deiner Hochzeit kommt weil sie dir halt auch sehr viel bedeutet. Aber sag ihr halt auch, dass du es verstehen kannst, wenn sie es einfach nicht schafft. Vielleicht gibt es ja auch irgendeine Aufgabe, die sie machen könnte? Frag sie, ob sie dir bei den Einladungskarten hilft oder beim Aussuchen der Torte. Oder vielleicht sogar (falls du nicht schon eins hast, ich habe jetzt nicht nachgesehen) mit zum Brautkleidaussuchen kommt. Dann bekommt sie vielleicht auch das Gefühl, gebraucht zu werden.

    Es ist immer schlimm, wenn auf einmal ein geliebter Mensch unerwartet und plötzlich stirbt. Es reißt einem den Boden unter den Füßen weg, man sieht keinen Sinn mehr.
    Wie geht denn dein Onkel damit um?

    LG, Sarinee
     
  9. Scratty

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    Das Problem ist, dass ich mich schon gar nicht traue, das Thema anzusprechen. Z.B. haben wir uns vor zwei Wochen bei meiner Mutter getroffen und ich hatte meine Brautschuhe an zum Einlaufen. Sie sind nicht weiss, daher merkt man nicht sofort, dass es Brautschuhe sind... Sie hat also gemeint "Was hast Du denn für tolle Schuhe an?" Daraufhin ich strahlend: "Das sind meine Brautschuhe!" - "Aha!"

    Kein - wie sieht denn Dein KLeid aus, wenn die Schuhe nicht weiss sind.... Das Thema wurde sofort gewechselt. Es ist einfach eine ganz komische Situation.

    Mein Onkel geht zumindest mit dem Thema Hochzeit ganz normal um, er hat sich auch am Samstag am Gespräch aktiv beteiligt, als es um die Hochzeit ging. Dabei ist er eigentlich der Schwierigere von beiden....

    Ich werde wohl wirklich mal versuchen, mit ihr alleine das Gespräch zu suchen. Ist allerdings nicht so einfach, aber so wie es jetzt ist, halt ich das einfach nicht aus.

    Danke für Eure lieben Worte!
     
  10. Streifenhörnchen

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    Auch wenn eigentlich alles schon gesagt ist... Aus meiner Erfahrung heraus (mein Vater ist Ende letzten Jahres gestorben) kann ich sagen, dass Offenheit am allermeisten hilft. Jeder Mensch trauert mit Sicherheit anders und ich weiß nicht, was Deine Tante für ein Mensch ist. Für mich klingt es aber so, als wäre sie einfach nur wahnsinnig vor Schmerz und Trauer und würde versuchen, alles zu verdrängen, was sie dazu zwingen könnte, noch mehr an den schlimmen Verlust zu denken.

    Manchmal nimmt man sich damit sozusagen selbst gefangen. Mir ging es und geht es auch oft so, dass ich denke, ich muss da jetzt irgendwie auf Biegen und Brechen mit fertig werden, sage keinem, was in mir gerade vorgeht und versuche, damit selbst klar zu kommen. Oft klappt es mehr schlecht als recht, und ein Gedanke, den ich oft habe ist: Ich kann jetzt an einem lustigen Abend mit Freunden in der Kneipe keinem den Abend versauen, weil ich ihn drüber volljammere, dass mir gerade wieder eine Situation eingefallen ist, die ich mit meinem Vater noch gerne erlebt hätte und mich das gerade total fertig macht.
    Vielleicht geht es Deiner Tante genauso, und sie würde am liebsten mal alles aus sich rausheulen und Dir sagen, wie weh es tut, dass ihr Sohn nicht mehr da ist - aber sie traut sich nicht und denkt, dass sie Deine Vorfreude nicht trüben darf?!

    Mir hat es bisher immer am meisten geholfen, wenn jemand von sich aus auf mich zukam und fragte, wie es mir geht, ob er mir helfen kann und ob ich mal reden will. Sonst bin ich nicht auf den Mund gefallen, aber aus oben genannten Gründen habe ich nach wie vor oft Schwierigkeiten damit, das auszusprechen, was gerade in mir vorgeht - gerade weil der Tod und das Sterben so ausgeklammert werden.

    Wenn Du zu ihr hingehst, Dir Zeit für sie nimmst und ein offenes Ohr für sie hast - und ihr, so wie die anderen das schon geschrieben haben, das Gefühl gibst, dass Du ihre Gefühle respektierst, dann wird ihr das bestimmt helfen, und Ihr wisst beide ein wenig eher woran Ihr seid und versteht Eure Gedanken und Gefühle gegenseitig.
     
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